Genuss-Autor Locatin hatte im neuen Bistro Flameau kleine Gerichte und naturbelassene Weine.
Der Standort
Zwischen Rennweg und Hauptbahnhof liegen wenige gute, doch viele schlechte Adressen. Einer der letzten guten, der rustikale, doch solide Fasanwirt wich bereits vor Jahren einem Backwerk – der Name ist Programm. Eine der schlechteren Adressen hörte auf “Inges Eck”. Eine dreckige Theke, rot bezogene Bänke, pickige Tische, große Fenster, die gelben Vorhänge immer zu gezogen. Geraucht wurde nicht vor dem Lokal – sondern zeitweise drin.

Weiß gespritzt, Bier und Schnaps ab 10 Uhr vormittags. Dazu dudelte autochtoner Schlager. Bis auf den Eingang ist nun (fast alles) anders. Beginnt bei der Musik: Bei unserem Besuch am Freitag: Portishead. Heller ist es, freundlich, die Vorhänge sind weg, die Schank blank, die Bänke neu bezogen, das “gewisse” Flair durch Dart und buntes Licht erhalten. Sanitär und Küche sind neu.
Wir haben vieles erneuert, wollen aber das Bistro für die Nachbarschaft erhalten. Deshalb sperren wir schon um 10 Uhr auf. Espresso al Banco gibt’s bei uns um 1,50€.
Florian Gassmann und Alina Stantejsky und Alina Stantejsky
Speis & Trank
Florian Gassmann, unter anderem im Rinkhy, Serviceleiter im Cafe Kriemhild zu letzt beim Reznicek und Alina Stantejsky, im Marketing tätig und ebenfalls mit Gastro-Erfahrung wollten ihr eigenes Ding. Das Konzept: Naturbelassene Weine plus feine Kleinigkeiten zu Essen. Der Schwarzbrot-Toast kommt etwa mit gefreitem (vielleicht auch GEREIFTEM) Emmentaler aus Vorarlberg vom Sutterlüty, Zucchini-Carpaccio erfrischt mit Radießchen und Nüssen, das Schwarzbrot mit Verwackertem vom heimischen Fisch zeigt, wie man Heurigenküche intelligent neu interpretieren kann.




Ebenso sorgfältig die Weinauswahl. In Kürze: Furmint vom Wenzel, Welschriesling von Clemens Krutzler, Carmen und Herbert Zillingers spannende Kreszenzen, auch einige Rote zieren die schmale Weinkarte. Sprudel gibts natürlich auch. Schmale Karte, denn die Auswahl wird stets durch wechselnde naturbelassene Weine angereichert. Naturbelassen heißt: Gesunde Böden, Spontanvergärung, meist Bio. Trotzdem sind es Weine, die auch für klassische Weintrinker interessant sind.
Das Fazit
Gelungene Neuinterpretation eines einst grindigen Tschocherls. Ausgebratene kleine Gerichte, handkuratierte naturbelasse Weine plus ein sympatisches, motiviertes Duo als Gastgeber. Das gerade einmal vier Wochen alte neue Bistro Flameau ist an Wochenenden meist voll – ein gutes Zeichen. Ob sich der Tagesbetrieb auf Dauer wirklich rentiert, wird sich weisen.
Tipp: Weinberatung von Florian Gassmann einholen, es gibt immer spannende Weine abseits der Karte. Will man nicht mit einem Platzerl an er Theke vorlieb nehmen, empfiehlt sich Fr und So eine Reservierung!
PS: Flameau übrigens ist ein altwiener Ausdruck für Hunger.
Bistro Flameau
Hohlweggasse 17, Ecke Hegergasse
1030 Wien
Di – Fr: 10.00 – 22.00
Sa: 14.00 – 22.00
Insta: Bistro Flameau
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