Hier wächst Merlot am Berg!

Christin Pogoriutschnig

Es herbstelt im bergigen Weingarten © rfoto / beigestellt

Der ORF hat sie bereits porträtiert, ihre Weine gelten als Geheimtipp und ihre Geschichte geht ans Herz. Ernestine Berger produziert als “Grafenbergerin” Weine in Höchstlagen. Uns hat sie erzählt, warum das in ihren Lagen geht, wie ihr sie ein Herzensprojekt trotz Trauer weitergeführt hat und was sich die Kundschaft erwartet.

Grafenberg in Außerfragant, Mölltal. Die letzte Region im Norden Kärntens bevor die Berge salzburgerisch werden. 2500 Weinstöcke wachsen hier auf 0,5 Hektar und 900m Seehöhe. Keine Massenproduktion, kein klassisches Erfolgsweingut, sondern ein regionaler Betrieb, der Weinkenner allein schon wegen seiner Lage aufhorchen lässt.

Ernestine Berger ist “Die Grafenbergerin” © beigestellt

Frau Berger, was ist die Geschichte ihres Betriebs?

Ich bin tatsächlich Quereinsteigerin. 2006 brachte mich mein Lebenspartner auf die Idee, Wein anzubauen. Lang haben wir überlegt und darauf hingearbeitet, aber mein Partner ist leider noch vor der Umsetzung verstorben. 2010 hab ich mir gedacht – jetzt muss ich mir etwas überlegen. Man kann nicht immer am Boden liegen bleiben. Man trauert, aber man lebt ja noch. Und das ist ein Geschenk! Als ehemalige Intensivkrankenschwester hatte ich 2012 die Möglichkeit nach 40 Jahren Schwerarbeit frühzeitig in Pension zu gehen. Aber ich habe auch praktisch nicht bei Null, sondern bei Minus angefangen. Der Grund liegt im Steilhang, es gab keinen Weg, ich musste alles genehmigen und bauen lassen. Es war mühsam, aber ich bin lästig geblieben, bis ich meinen Weg hatte!

Was macht Ihre Lage so speziell?

Der Weinberg liegt auf 900 Höhenmetern, aber es ist eine Kessellage und die Gegend besteht hauptsächlich aus Schiefergestein. Das speichert Wärme. Es kann im Ort zwei Kilometer weiter weg kühl sein, während man hier oben noch Sonne, warme Temperaturen und wenig Wind hat. Wie im Mölltal üblich, beträgt die Steigung des Geländes hier rund 60% an manchen Stellen. Ich habe überall Terrassen angelegt, weil man sonst nicht stehen kann. Auch letzte Jahr habe ich wieder 120 Meter Terrasse per Hand gegraben, damit ich setzen kann. Der Boden ist die typische Glockner-Region. Schiefergestein, Material vom Glockner, teilweise mit Muschelkalk. Die alpine Bodenbeschaffenheit wird immer wieder von Hangrutschungen leicht verändert und mischt sich durch – für den Wein ist das spannend. Jede Generation kennt das, dass die Böschungen immer wieder mal runter kommen – das bringt dann wieder Sand, Hummus etc. Die Gründe hier werden deswegen meistens zu Symbolpreisen verpachtet. Wenn Vieh weidet und das Gras kürzer ist, verringert das die Gefahr von Hangrutschungen.

Die Berglage ist besonders. Welche Sorten bauen Sie an, was produzieren Sie?

Durch die Kessellage und die Wärmespeicherung gehen Rösler, Zweigelt und Merlot für den Rotwein sehr gut; aus dem Regent mache ich Roséwein und Frizzante. Rotweine sind aber im Rückgang bei den Konsumenten. Rosé läuft stattdessen sehr gut. Die Leute wollen was Leichters. Aus Solaris, Cabernet Blane und Blütenmuskateller entstehen Cuvées und gemischter Satz. Die Weine gibt es bei mir Ab Hof, beim Bauernladen Walter in Obervellach und bei ein paar Kunden aus Hotellerie und Gastro. Ich bin gern auf Märkten, der Austausch mit den Kunden macht den Unterschied. Wichtig ist, dass man präsent ist. Oft kommen Leute zu mir und sagen ,jetzt habe ich endlich ein Gesicht zum Wein’! Mir geht es darum, ein regionales Produkt anzubieten, bei dem für jeden was dabei ist. Rotwein, Rosé, Frizzante, Weißweinsekt. Klar, als Pensionistin ist es harte Arbeit, aber ich sage nur was man gern macht, macht man gut! Man muss kleine Schritte machen, so ein Projekt ist keine Sache von wenigen Jahren. Aber wenn man es mit Liebe macht, kann es nur gut werden!