Am Kalterer See bei Bozen erlebt die autochthone Rotweinsorte Vernatsch eine spannende Renaissance. Doch auch sonst ist der wärmste Badesee der Alpen eine Reise wert. Genuss-Autor Locatin war vor Ort und hat die besten Tipps.
Der Standort
Manchen gilt Südtirol als ewiger Geheimtipp, doch gerade die Region um den Kalterer See hat sich in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Initiativen hervorgetan. Eine davon gilt dem Lokalmatador unter den autochthonen Rebsorten.
Der Vernatsch
Lange wurde dem Vernatsch nicht jene Aufmerksamkeit zu teil, die er verdient. Hell, fruchtig, flüssiger Trinkfluss, moderate Säure, wenig Tannin und sein zurückhaltender Alkoholgehalt machen ihn freilich zu einem veritablen Allrounder. Gut zu unterschiedlichsten Speisen – gerne aber auch Solo. Eigen ist ihm eine leichte Bitternote, weshalb er gerne auch etwas kühler getrunken wird – mancher schwört hier auf Temperaturen unter 10 Grad! Ich empfehle: 12 Grad.
Sein Potential zu höheren Qualitäten erkannten auch die Winzer der Region. So präsentieren sie seit 2024 ihre jeweiligen im Vorjahr gekelterten Weine. Wie in Sachen Burgund oder Blaufränkisch gibt es zwei unterschiedliche Zugänge. Eine hellere, burgundisch leichtfüßige inspirierte Stilistik. Vergoren im Stahltank – und eventuell kurz in großem Holz gereift. Sowie eine dunkler-fruchtige, etwas rustikalere Variante – mehr Fass, mehr Barrique.
Nach ausgiebiger Verkostung kann der Autor dieser Zeilen mit ruhigem Gewissen konstatieren: Die 20 vertretenen Winzer 2025 haben den Jahrgang 2024 in durchaus überzeugender Qualität auf die Flasche gebracht. Ein weiteres Argument: Guter Vernatsch ist bereits unter 10 erhältlich, mehr als 20 Euro sind auch für ausgesuchte Bio-Qualitäten kaum zu berappen.
Weitere Infos: wein.kaltern.com

Bild: Marko Locatin
Weingut Manincor
Verwurzelt am Kalterer See sind auch Gräfin Sophie & Graf Michael Goëss-Enzenberg vom Weingut Manincor. Das respekt-Biodyn-Weingut steht an der Spitze der Qualitätspyramide. Alte Reben, Handlese, biodynamische Bewirtschaftung, längere Reifezeiten, Barriqueausbau ergeben Weine von Weltklasseformat. Betrifft besonders den Monopollagen-Vernatsch “Der Keil”. Aber auch die Cuvee “Cassiano” und die zwei Pinot Nero. Der “Mason di Mason” kann hier, wie sich der Autor überzeugte, mit den besten Franzosen mithalten – freilich zu einem Bruchteil des Preises. Wermutstropfen: Von diesem Grand Cru keltert der charismatische “Graf Michael” keine 5.000 Flaschen. Greifen sie daher zum kleinen Bruder “Mason” und zu den andern Weinen des Weinguts. Alle zeichnen sich durch zwei Dinge aus: Kompromisslose Qualität plus erfreuliches Preis-Leistungs-Niveau.
Weitere Infos: www.manincor.com
Zur Vereinigung respekt-Biodyn übrigens zählen u.a. die österreichischen Weingüter: Fritz Wieningers Hazjzan Neumann (Hier lesen Sie ein Porträt von Mr. Wienwein) Ebner-Ebenauer, Ott, Weingut Feiler-Artinger sowie Herbert Zillinger.

Bekannt ist die Region natürlich auch für Nahrung in festem Aggregatzustand. Speck etwa zählt hier als Grundnahrungsmittel. Auch Lardo zum Wein ist: fein.

Risotto, je nach Saison etwa mit Spargel macht ebenso Freude wie Polenta (hier als Herkunkunftsbezeichnung “Plent”) mit Salsiccia – wir sind schließlich in Italien!) und vieles mehr.

Von rustikaler Natur präsentieren sich zwei Südtiroler Klassiker: Salciccia und Speck. Mit der mit schmelzendem Dolce Latte verfeinerter Polenta (Plent) freilich ist’s ein echtes Wohlfühlen-Gericht.

Übernachtungs-Tipp: Das Fünf-Stern Hotel Seeleiten wartet mit Naturschwimmbad (siehe Bild) großzügigem Spabereich sowie weitläufiger Terrasse auf. Dem Frühstück gilt mit diversen a la Minute gebratenen Omeletts, Käse- und Speckvielfalt und sonstigen Zutaten eine echte Empfehlung – wie auch Lunch und Dinner. In Sachen Wein fragen Sie nach dem kundigen Sommelier.
Weitere Infos: www.seeleiten.it
Das Fazit
Am Kalterer See gibt es für Genussfreunde Vieles zu entdecken. Vernatsch ist hier tief in der Alltagskultur verwurzelt. Ein Wein für alle Fälle. Spannend sind auch die internationalen Sorten wie Pinot Noir (Pinot Nero), Merlot oder Syrah, die hier ein fruchtbares Terroir vorfinden.
Weiters aufgefallen: Am See herrscht ein entspanntes Klima des Miteinander. Weingüter empfehlen auch mal den Nachbarn, Restaurants helfen einander.
Die Tipps
Restaurant Spuntloch: Küchen-Chef Florian Kritzinger bringt in dem Kult-Lokal unter historischem Gewölbe routiniert verfeinerte Südtiroler Küche auf den Teller; Spezialitäten: Dry Age vom Lavastein-Grill, Fisch, diverse Pasta, feine Desserts.
Weitere Infos: www.spuntloch.it
Restaurant Ritterhof: Ambitioniert geht es das junge Team um Willy Kompatscher im Ritterhof an. Chinesische Teigtascherln mit Garnelenfüllung gibt’s ebenso wie Ochsenwangerln oder einfallsreich interpretierte Risotti. Spezialitäten: Chateaubriand (ab 2 Personen), Mehrgängige Menüs mit Weinbegleitung, Weine vom hauseigenen Weingut.
Weitere Infos: www.ritterhof.it
Restaurant Panholzer: Alte Steinmauern, romantischer Innenhof, Terrasse mit Ausblick. Der Panholzer, charmant geführt von Martina und Daniel ist eine “Bank”. Bruschetta, Hausgemachte Pasta, gefülltes Huhn.
Alles durchwegs großartig.
Weitere Infos: www.panholzer.it








































