Restaurantkritik: Gibt es im Chen’s wirklich Wiens bestes Ramen ?

Marko Locatin

Geheimtipp: Chen's, Krugerstraße 7, 1010 Wien. Bild: Marko Locatin

Das Chen’s in der Krugerstraße 7 gilt als Geheimtipp für Freunde der japanischen Nudelsuppe Ramen. Marko Locatin hatte scharfe Suppe, frisch gezogene Nudeln, knackigen Kuttel-Salat und knusprigen Schweinebauch.

Der Standort

Die schlechte Nachricht zuerst: Der Schweinefuß ist aus – die Kritik muss raus! Wir befinden uns in der Krugerstraße: Hier logiert nicht nur das Shiki, Joshi Hattoris hoch bewertetes und ebenso elegantes japanisches Restaurant (Hattori eröffnete jüngst, ebenfalls in der Krugerstraße, eine Sakethek, wie Gastro News berichtete), sondern auch ein veritabler Kontrapunkt. Das Chen’s ist ein schlauchartiger stets gut besuchter “Chinese”. Es geht laut und fröhlich zu. Die Chefin sorgt für rasche und reibungslose Abläufe. “Langnasen”, wie der Autor samt Begleitung, bilden hier die Ausnahme. Keine Ausnahme sind die Ramen, die hier auf fast jedem Tisch stehen.

Speis & Trank

Wir bestellen Kuttel-Salat, doch zuerst gilt es die (heute) nicht georderten Teigtaschen zu würdigen. Die Kochgenossen, ein kundiges Kollektiv koch- und genussaffiner Genießer befinden: “Jiaozi (Dumplings, Teigtaschen mit Schweinefleisch) absolut köstliche Teigtaschen der Sonderklasse! Sie werden erst nach der Bestellung frisch angefertigt und als sogenannte guotie oder pot sticker auf der Unterseite resch angebraten, während der Rest der dünnen Teighülle herrlich schlutzig und weich bleibt”, so die Kochgenossen.

Dem kann ich wenig hinzufügen. Die mit Limette, Soja-Sauce und Koriander aromatisierten Kutteln, das kann ich hinzufügen, sind erfreulich frisch und knackig. Ein guter Einstieg.


Bild: Knackiger Kuttel-Salat Marko Locatin

Nun aber rasch zum Hauptdarsteller. Meine Suppe in Chiliöl kommt mit Allerlei Galert, Innereien und anderen geschmacksintensiven Stücken, die hierzulande viel zu oft viel zu wenig Beachtung erfahren. Die ähnlich in Rot angelegte Suppe meiner holden Begleitung hingegen birgt knusprige Rippchen. Auch sie belebt die Sinne (die Suppe und auch die Begleiterin). Ja, die andere, die helle Brühe, sie fußt auf Schweinefuß, war aus. Also trösteten wir uns mit in dunkler Soja-Sauce und Reiswein geschmortem Schweinebauch. Zergeht auf der Zunge, das Gemüse mit Knack, die Nudeln mit Biss und Schlunz. Eine feiner Trost.

Das Fazit

Ob das Ramen jetzt das beste der Stadt ist, kann man so natürlich nicht sagen. Die Suppen, Dumpings, Salate, besonders aber die Nudeln spielen ganz oben mit in einer Stadt, in welcher mittlerweile erfreulich vielschichtig chinesisch (Kanton, Sichuan….) gegessen werden kann. Ferner hält man sich im Chen’s mit dem anderenorts oft allzu brachialen Einsatz von Chiliöl und Pfeffer ein wenig zurück – das Bauchgefühl des Autors dankt herzlich.

Tipp 1: Ordern sie eine Extraportion der handgezogene Nudeln. Sie schmecken auch sparsam mit Soja-Sauce angereichert schlicht: hervorragend.

Tipp 2: Nach diesem herzhaften Genuss empfehle ich einen Absacker im Barbereich des Shiki. Sommelier Thomas Grund – schon in Klaus Pibers legendärem, leider verblichenen “Yohm” am Petersplatz (Meine Reportage vom Petersplatz finden sie: HIER) tätig – empfiehlt etwa den tiefgründigen, buttrigen “Hausburgunder.” Wobei letzteres, wie vieles im eleganten Shiki, auf Understatement gründet.

Weitere Informationen

Chen’s Ramen
Krugerstraße 7

1010 Wien
Mo-So: 11.30 – 21.30
www.chens.at

Shiki
Krugerstrasse 3

1010 Wien
Di-Do: 18.00 – 00.00
Fr-Sa: 12.00 – 00.00
www.shiki.at