Winzer Clemens Strobl: „Wir keltern Weine mit Charakter. Weine mit Ecken und Kanten.“

Elisabeth Brandlmaier

@ms.foto.group

Ein Familienbetrieb in zweiter Generation

Seit 2009 betreibt Clemens Strobl seine „Weinmanufaktur“ – mittlerweile gemeinsam mit seinem Sohn Lukas. Bewirtschaftet werden über 15 Hektar eigene Weingärten im Kremstal, Kamptal und hauptsächlich am Wagram. Bei den ausschließlich in Handarbeit hergestellten Weinen wird nur eigenes Traubenmaterial aus 37 kleinen Parzellen verarbeitet. Gepresst wird auf äußerst schonende Weise mit der Korbpresse – die Gärung erfolgt spontan.

Bio-Weinwirtschaft

Strobl erklärt seine Herangehensweise so: „Bio-Wirtschaft: nachhaltig und vielfältig. Die Natur so lassen, wie sie ist. Mischkultur. Zwischenbegrünung. Wasserflächen. Weil’s was bringt. Die Natur unterstützen, einfach sein lassen. Wild geht’s zu am Weinberg. Summen, Zwitschern, Wachsen, Wuchern. Leben. Weil diese Erde kostbar ist.“

Was die Weine des Winzers noch auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie prinzipiell nicht mit irgendwelchen Kellertechniken maskiert werden. Im Interview verrät der Winzer, wie er in den Weinbau kam, mit welchen Herausforderungen Winzer derzeit zu kämpfen haben und was er von „alkoholfreien“ Weinen hält.

Wir keltern Weine mit Charakter. Weine mit Ecken und Kanten. Handmade für Individualisten. Für Menschen, die wissen, was sie wollen. Wie wir. Wie wir sind, ist unser Wein.

Clemens Strobl

Wie kam die Leidenschaft zum Wein?

Seit dem Erwachsenenalter beschäftige ich mich fast tagtäglich mit Wein. Ich habe bereits in jungen Jahren diverse Winzer im In- und Ausland marketingmäßig beraten und unterstützt. Diese Arbeit hat mir das Thema sehr nahe gebracht und mich seither nicht mehr losgelassen. 

Wussten Sie schon immer, dass Sie Wein machen wollen?

Nein. Der Wunsch kam erst nach ca. 15 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema. Ich wollte einfach die Seite des Produzenten kennenlernen. 

Was ist denn der Unterschied von einer Weinmanufaktur zu einem Weingut?

Manufaktur heißt Handarbeit. Wir versuchen möglichst viele Schritte händisch umzusetzen. Das beginnt im Weingarten und reicht bis zum Konfektionieren. Unseren Weingarten am Pfaffenberg bewirtschaften wir beispielsweise komplett maschinenfrei. Abseits industrieller systematisierter Massenproduktion – genau das wollen wir mit der Weinmanufaktur zum Ausdruck bringen.

Was zeichnet Ihre Wein aus und was unterscheidet sie von anderen?

Unsere Weine sind authentisch und terroir-fokussiert. Wir sehen uns als Weingärtner und nicht als Weinmacher. Nur die besten und gesunde Trauben aus unseren eigenen Weingärten bringen große und ausdrucksstarke Weine hervor.  Wir versuchen die natürlichen Prozesse zu verstehen. Deshalb arbeiten mit der Natur und nicht gegen die Natur. Das Ergebnis sind naturbelassene lebendige Weine mit Spannung und angenehmem Trinkfluss.

Was sind die größten Herausforderungen beim Wein machen und was hat sich hier in den letzten Jahren verändert?

Über Vergleiche über die letzten Jahrzehnte kann ich nichts sagen, da unser erster Jahrgang 2009 war. Aber auch in den letzten 15 Jahren hat sich schon so manches – vor allem durch den Klimawandel – verändert. Vor allem die Auspflanzung von Jungweingärten geht kaum mehr ohne künstliche Bewässerung. Die Trockenheit wird zusehends ein größeres Problem. 

Alkoholfreie Weine, ja, nein warum?

Es gibt keinen alkoholfreien Wein – es gibt lediglich entalkoholisierte Weine. Diese haben jedoch mit Wein nicht mehr viel zu tun. Sie fallen auch nicht unter das Weingesetz bzw. dürfen im Verkauf auch nicht als Wein deklariert werden. Beim Entalkoholisierungsprozess verliert der Wein leider all das, auf dass es Weintrinkern ankommt – die Seele und das Leben. Es gibt mittlerweile großartige alkoholfreie Drinks zur Speisenbegleitung – das würde ich eher bevorzugen. 

Stahl, Holz, Beton – Sie haben alles. Doch was ist am Ende am besten?

Die neutralen und sterilen Stahltanks sind vom Handling äußerst komfortabel. Temperatursteuerung, Reinigung – alles sehr berechenbar. Mit Holz arbeiten wir – gerade bei den Lagenweinen sehr gerne – insbesonders mit gebrauchten Fässern von unterschiedlichen Herstellern vor allem wegen der Mikrooxidation. Auch bei unserem Rosé aus Pinot Noir und St. Laurent setzen wir gebrauchte Barriques von der Spontanvergärung bis zur Reifung ein. Der Pinot Noir wird ausschließlich in 228l Brgunder- und rund 500l Holzgebinde ausgebaut. Gerade für kleine Chargen – beispielsweise für die Lust-Experimente – eignen sich die kleinen Gebinde natürlich gut. Die Form des Betoneis kommt den Weinen beim Reifungsprozess entgegen. Durch die raue Oberfläche verhält sich diese Gebindealternative im Ausbau ähnlich wie Holz – allerdings ist sie geschmacksneutral. 

Ihr ultimativer Weintipp?

Weinempfindung ist äußerst subjektiv sowie stimmungs- und situationsabhängig. Ich denke, das muss jeder für sich rausfinden welche Sorten, Regionen oder Erzeuger für ihn am besten passen.

Hofladen: www.gutwagram.at

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