Ein Hoch auf die Kastanie!

Andrea Wieger

Zum kulinarischen Glück gibt es in dieser Stadt einen großen Haufen an verschieden ausgerichteter Lokale. Ob indisch, thailändisch, italienisch, Burger, vegan, Fokus auf Mexiko, Vietnam, Fisch, Kebab, wenn doch der Gusto auf ein Schnitzel aus dem Wirtshaus kommt, oder auf einen Kaiserschmarrn, wenn´s ein Käsekrainer am Würstelstand sein soll oder doch die feine Küche aus dem Haubenlokal – Wien ist vielfältig, Wien ist abwechslungsreich. Das ist wunderbar und muss an dieser Stele einfach mal betont werden.

Noch wunderbarer wird´s, wenn in der Bundeshauptstadt Restaurants eröffnen, die einen interessanten weil bisher kaum bis gar nicht vorhandenen Schwerpunkt setzen: und zwar auf die Nuss.

Chestnut (Kastanie) heißt das Lokal an der „kurzen“ Seite des Neuen Markts, das seit dem heurigen Sommer die Innenstadt aufpeppt. Zuvor war ein Hummus-Falafel-Sandwich-Laden darin, jetzt kocht man im komplett neu renovierten Chestnut ganz bewusst mit viel verschiedenen Nüssen. „Weil man in Wien ein halbes Jahr lang überall Maronis sieht. Die Wiener lieben das! Und gesund ist´s außerdem.“ meint der aus Aserbaidschan stammende Eigentümer Asim Hasanov. Und im Sommer? „Da kreieren wir auch diverse Gerichte mit Nüssen, aber natürlich ist nicht die ganze Speisekarte voll damit.“ Dies soll auch im Winter nicht der Fall sein, doch einige Speisen mit Kastanien, Haselnüssen, Macadamias, Erdnüssen, Pistazien, Walnüssen oder Mandeln wird es immer geben.

All diese Nusssorten stehen auch im Lokal als Deko herum, gefüllt in fesche Gläser. Daneben noch viele stylische Spirituosenflaschen, dezente Blumendeko auf den Tischen, Jutesäcke an den Wänden und leere Holzkisten an der Decke – hübsch schaut das aus. Lässt das stimmige Design, das aus viel Holz, braun-froschgrün-schwarzem Mobiliar, gemütlicher Beleuchtung und Hinguckern wie sehr schönen Glühbirnen und schwarzen Metallrohren besteht, einfach noch stimmiger. Die entspannte Musik ist zwar nicht unbedingt leise, doch an Lautstärkenregelung und Playlist wird noch gefeilt meint Hasanov.

Im Gegensatz dazu steht die Speisekarte schon. Und zwar auf recht soliden Beinen wie ich finde: der Küchenchef Taufik Hidayat, der übrigens ein bekannter TV-Koch in Indonesien war, sorgt für eine nicht allzu großes, dafür aber abwechslungsreiches Angebot. Zur Vorspeise hat man die Auswahl zwischen einem richtig richtig gutem Beef Tartar aus Wagya Rindfleisch (€ 15), welches sehr fein geschnitten, mit Kefir-Zitronen-Olivenöl abgeschmeckt und mit Rucola und Parmesanhobeln serviert wird – das war schon mal grandios! Dann hatten wir noch die kugeligen Kastanien Ravioli (€ 11,50): aus hausgemachtem Kastanien-Nudelteig und mit einer fantastisch aromatischen Steinpilz-Blunzen-Mischung gefüllt. Dazu geschmortes lauwarmes Kraut – perfekt! Außerdem auf der Karte: Wachteleier auf Butterbrioche, ein Potpourri aus Feigen und Edelpilzkäse sowie ein herbstlicher Kastaniensalat mit Apfel. Für den Suppengang fiel die Wahl auf die Parmesansuppe, welche zwar wunderbar würzig und käsig war, jedoch etwas dicker und cremiger sein hätte können. Und dann noch ein Burger. Weil ich gerade richtig Lust darauf hatte. Kein normaler Burger, sondern ein recht kreativer: „Red Bun Pulled Beef Brisket“ (€ 12,50) klingt ja auch schon außergewöhnlich. Ein mit rote Rüben eingefärbtes, süßliches Weckerl, darin zartes, extrem weiches „gezupftes“ Rindfleisch kombiniert mit asiatisch angehauchtem und cremigem Gemüse. Wow, war das gut. Und hübsch angerichtet ebenfalls. Doch auch die anderen Hauptspeisen klingen äußerst vielversprechend: Hirschfilet mit Kürbispüree, Sternanis und Birne (€ 24,50), Kabeljau im knusprigen Mandel-Basilikum-Mantel mit steirischen Käferbohnen (€ 22), Wildentenbrust in Honig-Pfeffer-Glasur (€ 21), Bio-Dinkel-Risotto mit Pilzen, Ziegenkäse und Pinienkernen (€ 14,50) oder der „Black Bun Chicken Burger“ mit Erdnusssauce (€ 11,50). Jawohl, ich muss da nochmal hin, das steht fest. Für das große Finale entschied ich mich für die Pistazien-Crème-Brûlée (€ 7,50), die mit Pistazienbiskuit und Beeren daherkam. Eine recht süße Angelegenheit war das, doch das haben Desserts halt so an sich. Der 8-Stunden-Apfel oder die Kastanienbällchen mit Vanille werden´s dann das nächste Mal.

Seit kurzem bietet das Chestnut auch ein Mittagsmenü (€ 9,50) an, bestehend aus Hauptgericht plus Suppe oder Dessert. Das kleine aber feine Lokal kann auch gemietet oder für größere Gruppen reserviert werden, an die 35 Gäste finden Platz. Ebenfalls gut zu wissen: spätabends verwandelt sich das Restaurant in eine gut sortierte Bar, die viele klassische Cocktails hergibt und mit selbst angesetzten Drink-Infusionen arbeitet. Not bad!

Mein Fazit:

Ein hübsches Restaurant mit einem sagenhaft guten Angebot. Nicht nur für Nussliebhaber ein wahres Juwel in der Innenstadt!

 

Chestnut

Neuer Markt 8a

1010 Wien

Tel. 0664/473 07 07

www.chestnutvienna.com

Geöffnet: Montag bis Sonntag 11:00 bis 02:00 Uhr