Verbotene Früchte schmecken am besten

Felicitas Call

©TheChapel

Inner- und außerhalb der Mauern wird gesündigt (lat.: „Intra muros peccatur et extra“) soll der römische Satiriker Horaz bereits vor über 2000 Jahren gesagt haben. Warum dann nicht gleich die Kirche zum Ort der Sünde machen? Das dachte sich wohl auch Franz Unterrainer und eröffnet mit „The Chapel“ seine erste Speakeasy-Bar, gut versteckt, wie es sich für eine geheime Bar gehört.

Weder in der Antike noch in der modernen Welt ist es jemals gelungen, dem Alkoholkonsum Einhalt zu gebieten. Viel zu stark ist die Macht der Tradition und der Wunsch, dem grauen Alltag zu entfliehen. Und wo lässt sich dem genüsslicher nachgehen, als im geheimen und vielleicht auch ein bisschen verbotenen Rahmen? The Chapel setzt das Konzept der während der amerikanischen Prohibition entstandenen „Flüsterkneipe“ als abgebrannte Kirche um. Hinein kommt man übrigens durch einen Bilderrahmen.

Tür zu einer anderen Welt

Barbereich ©Mozarts

„Wenn du mit deinen Freunden ins Mozart’s zum Essen kommst, verrate ihnen nicht wohin ihr anschließend geht. Der Überraschungseffekt gehört dazu. Schließlich soll das Erlebnis die Reise in den 15. auch wert sein“, erklärt Franz Unterrainer die Grundidee seines neuesten Projekts. Der Chef des Mozart’s, des ältesten „Late-Night-Beisls“ in Rudolfsheim-Fünfhaus kam vor 15 Jahren als Student nach Wien und gründete 2008 das „Travel Shack“, eine internationale Studenten Bar. 2016 kam das Mozart’s dazu, keine 200m vom „Travel Shack“ entfernt. Zudem ist Unterrainer Teilhaber an der erfolgreichen Cocktailbar „Kleinod“ in der Wiener Innenstadt. Auch die neue Speakeasy-Bar befindet sich in unmittelbarer Nähe. Unterrainer erweiterte dafür nämlich sein Beisl. Nachdem man also im Mozart’s seinen Hunger mit Weinschenke-Burger besänftigt hat, gibt es zwei Möglichkeiten, um in die Chapel zu gelangen: wer auf Nummer Sicher gehen möchte, fragt die freundlichen Kellner nach dem Weg. Die Mutigen wagen sich auf eigene Faust bis zu den Toiletten vor zu einem großen, hölzernen Bilderrahmen. Einmal an der richtigen Stelle angezogen und schon ist man im Beichtstuhl, der den Eingang zur Chapel bildet.

Alle Wege führen nach Rom

„Delicious Sin“ Cocktail ©TheChapel

Tatsächlich erinnert die Decke an ein ausgebranntes Kirchenschiff, auch die Wände sind tiefschwarz geflämmt. „Es ist unser Fass, in dem wir noch reifen“, erzählt die Barchefin Katharina Esser charmant und spielt damit auf den American Whiskey an, der nur in ausgebrannten Fässern lagern darf. Einst machte sich die Quereinsteigerin als Barkeeperin in der Parfümerie einen Namen. Zusammen mit Marco Simic, der gelernter Koch ist, schmeißt sie heute souverän die Bar im Chapel, kümmert sich huldvoll um die Gäste und zaubert zu jeder Stimmung den passenden Drink herbei. Die Barkarte mit anspruchsvollen Cocktails entstand in Zusammenarbeit mit Essers Mentor Daniel Schober vom „Kleinod Cocktail Salon“. Konsequent katholisch finden sich „Die 7 Sünden“ als Shots, „Die 12 Aprostel“ als Cocktails und „Die 10 Gebote“ als Longdrinks wieder. Im Zölibat lebende greifen am besten zu Mocktails, die den Genuss während der Fastenzeit ermöglichen. Aber auch abseits der Karte darf bestellt werden, was das sündige Herz begehrt.

Maria ohne Josef

Mit viel Augenzwinkern spielt die Chapel mit dem klerikalen Klischee. Statt kalte Kirchenbänke gibt es kupferfarbene Tische und edle Sitzbänke aus dunkelblauem Samt. Sitzplätze gibt es für 50 Personen. Der Fokus liegt bewusst auf wenigen Stehplätzen, um eine gemütliche Atmosphäre zu kreieren. Auch die Bar leuchtet in warmen Kupfer, passend zum Luster, der aus Weihrauchfässern besteht. Die Mutter Gottes wacht in einer Mauernische voller Gnade über das Geschehen. Geschmeidige Sounds des Buena Vista Social Club gemischt mit Jazz, R&B und Hip Hopsorgen für ein ungezwungenes Ambiente. Bald soll auch gediegenes Barfood von Marco Simic ins Spiel kommen. Man darf gespannt sein.

 

The Chapel

Haidmannsgasse 8

1150 Wien

MI-SA 20 bis 4 Uhr